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    DEF | Team Avatar von Bibi
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    Mein Mann arbeitet sich kaputt :-(

    Hallo Ihr Lieben

    Ich muss mich mal bei Euch ausheulen; könnte gerade so "abkotzen" über den Arbeitgeber meines Mannes.
    Wird vermutlich auch etwas länger, da liegt schon lange so einiges im Argen, was die da einfach nicht in den Griff kriegen.

    Torsten arbeitet seit 1997 im Sicherheitsdienst und sitzt schon immer als Objektschützer bei einer großen Firma hier bei uns im Ort. Im Laufe der Jahre hat er sich auch hochgearbeitet und ist schon seit ein paar Jahren Objektleiter. Seit 2 Jahren bekommt er diesen Posten sogar auch mit 1,- € pro Stunde extra bezahlt. Das allein geht mir schon quer runter. 1,- € pro Stunde mehr; dafür, dass er die Verantwortung hier vor Ort trägt, Ansprechpartner ist, Koordinator, Verbindungsglied zwischen dem Kunden und seinem Arbeitgeber und aus all diesen Gründen eigentlich immer erreichbar sein muss.

    In den letzten Monaten hat er im Schnitt 240 Std./Monat gearbeitet; verteilt auf 22-25 Tage, teilweise im willkürlichen Wechsel. Heute so, morgen so, übermorgen wieder anders.
    Und was der Dienstplan am Anfang des Monats sagt, ist meist schon nach der 1. Woche ohnehin wieder anders, weil von den insgesamt 8 Leuten grundsätzlich 1-2 Leute krank sind und der Kunde ganz gerne auch mal sehr kurzfristig seine eigenen Schichten umplant. Da müssen dann schon auch mal von mittags zu abends Nachtschichten in einem Werk besetzt werden, in dem normalerweise nur am Wochenende ein Wachmann sitzt.
    Und wie es dann so ist ... Sind offene Schichten zu besetzen, sind's immer wieder die gleichen "Pappenheimer", die keinen Bock haben einzuspringen, sich am Telefon verleugnen lassen oder "ganz spontan" eben auch noch krank werden, damit sie nicht arbeiten müssen.

    Leider läuft das schon seit Jahren so; mal mehr mal weniger krass. Neue Leute zu finden ist auch nicht einfach. Die miese Bezahlung, die scheiss Arbeitszeiten (von regelmäßiger Wechselschicht kann man da ja nicht reden) ... Und dann gibt's noch das arbeitsscheue Gesindel, was ohnehin nicht arbeiten will und dem eine Anfahrt von 20 Minuten mit dem Auto schon zu viel ist.
    Leider ist der Arbeitgeber aber scheinbar auch nicht in der Lage, für derartige Situationen Springer zu schicken, die hier dann aushelfen. Stattdessen fragen sie aber gerne hier bei Torsten nach wenn es darum geht, irgendwelche Sondereinsätze Gott weiß wo zu besetzen. Im Februar war er erst wieder für 2 Tage in Hannover zu so einem Einsatz. Zusätzlich zum normalen Dienst.

    Tja, die offenen Schichten müssen hier dann natürlich besetzt werden, denn sonst springt der Kunde ab und sucht sich einen besseren Sicherheitsdienst. Wer setzt sich dann also dorthin und sorgt dafür, dass die Mühle sich weiterdreht? Richtig, mein Mann.

    Das Arbeitszeitgesetz sieht eigentlich vor, dass zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn 11 Stunden Ruhephase liegen müssen. An- und Abfahrtszeiten zählen dabei noch zur Arbeitszeit. Ebenfalls sieht das Gesetz vor, dass innerhalb 1 Arbeitswoche im Normalfall nicht mehr als 48 Stunden gearbeitet werden darf; in Ausnahmefällen vorrübergehend 60 Stunden, wenn es dafür innerhalb von 6 Monaten einen Ausgleich gibt. Heißt, über einen Zeitraum von 6 Monaten muss der Durchschnitt dann wieder bei 48 Stunden liegen. Zudem darf laut Arbeitszeitgesetz nicht mehr als 12 Tage am Stück gearbeitet werden.

    Mein Mann arbeitet jetzt seit Mitte März ohne einen einzigen freien Tag zwischendrin und heute schon den 4. Tag in Folge von 17.00 Uhr bis 7.30 Uhr, weil mal wieder 2 Leute längerfristig krank sind, der Kunde zusätzliche Schichten arbeitet und dann auch noch bei einem der neueren Kollegen der Vertrag nicht verlängert wurde.
    Eigentlich hatte Torsten schon jemand Neues an der Hand, aber der wurde - warum auch immer - vom Betriebsrat abgelehnt.
    Wie kann ich denn Mitarbeitern kündigen bzw. potentielle neue ablehnen, wenn ohnehin schon Personalmangel herrscht???

    Was machen die eigentlich, wenn Torsten plötzlich längerfristig krank wird (BurnOut lässt grüßen)?

    Und der allerbeste Hammer kommt erst noch ...
    Laut Arbeitsvertrag findet der jeweils aktuell gültige Mantel- und Entgelttarifvertrag des Bewachungsgewerbes Anwendung. Prinzipiell ist das auch so. Leider gibt's da aber Unstimmigkeiten in der Umsetzung.
    Die ganze Geschichte ist ein bisschen kompliziert und so kompliziert dann eigentlich doch wieder nicht.
    Der Hauptsitz seines Arbeitgebers ist in Essen (also NRW)
    Die Niederlassung, die für ihn zuständig ist, sitzt in Hannover (Nds.)
    Der Hauptsitz des Kunden ist widerum in Niedersachsen, das Werk, in dem er dauerhaft eingesetzt wird, ist in NRW.
    Meines Wissens nach ist es so, dass immer der Tarifvertrag Anwendung findet, in dessen Bundesland sich der ständige Arbeitsort befindet. Wäre hier also NRW.
    Das scheint bei dem Arbeitgeber auch unstrittig zu sein. Anfang 2018 wurden die Niederlassungen Hannover und Bielefeld zusammengelegt. Bielefeld wurde geschlossen, die Mitarbeiter von dort werden nun von Hannover betreut. Da diese allesamt in NRW arbeiten und entsprechend NRW-Tarif bekamen, bekommen sie diesen auch weiterhin. Will ja keiner freiwillig aufgrund einer solchen Sachlage plötzlich 2,- €/Std. weniger verdienen.
    Im Zuge dieser Zusammenlegung hieß es dann seitens Hannover, dass dann auch die 8 Peoples hier NRW-Tarif bekommen; wären sie doch sonst die einzigen in NRW arbeitenden Mitarbeiter, die schlechter bezahlt werden würden.
    Die Umstellung von Nds.- auf NRW-Tarif sollte eigentlich bereits zum 1.5.18 erfolgen.
    Das wurde dann allerdings immer wieder verschoben/verschwiegen/unter den Teppich gekehrt, weil man diese Lohnerhöhung auf den Kunden umlegen wollte. Der sich widerum aber streubte mit der Begründung, dass das nicht sein Problem sei, wenn der Sicherheitsdienstleister bei seinen Mitarbeitern schon seit Jahren einen falschen Tarifvertrag zugrunde legt.

    Es wurde dann immer wieder nachgefragt und nachgehakt (auch beim Betriebsrat, den man aber, gelinde gesagt, abhaken kann). Letztlich wurde dann immer wieder versprochen, verschoben und neu versprochen, bis es dann auf der Betriebsversammlung kurz vor Weihnachten plötzlich ganz offiziell und im Beisein des BR hieß, dass es ab Januar 19 dann endlich den NRW-Tarif gäbe.
    Nur mal so zum Vergleich: Niedersachsen zahlt knapp 2 Euro pro Stunde weniger als NRW, 5% statt 15% Nachtzulage, nur 25% Sonntagszuschlag (statt 50%) und nur 50% für Feiertage (statt 100%).

    Tja, was soll ich sagen? Wir haben bereits April, die Abrechnung März trudelt hier in den nächsten Tagen ein und es wird immer noch der schlechtere Lohn bezahlt.

    Das kotzt mich alles so an. Der Mann reisst sich den Allerwertesten auf; ist allzeit telefonisch erreichbar, rennt da wenn nötig sofort hin, wenn es Probleme gibt, macht alles menschenmögliche um den Kunden zufriedenzustellen, verzichtet auf freie Tage, Ruhezeiten, Urlaub.
    Und wird dafür nicht mal entsprechend entlohnt, kriegt keine neuen Mitarbeiter, muss sich mit dauerkränkelnden lustlosen Kollegen herumärgern und hat für das alles nicht mal den Betriebsrat (=Vertretung der Arbeitnehmer!) im Rücken.

    Ich mache mir echt Sorgen. Der kommt überhaupt nicht mehr zur Ruhe zu Hause. Morgens um 7.30 Uhr ist Feierabend. Bis er zu Hause ist, ist es meist 8.00 Uhr, weil dann mit dem Kollegen noch dieses und jenes besprochen werden muss. Bis er dann zur Ruhe kommt, ist es gut und gerne 9.00 Uhr Um 13.45 Uhr steht Finja aber schon wieder vor der Tür; hat Hunger, muss Hausaufgaben machen, will betreut werden. Bis ich zu Hause bin, ist es 16 Uhr durch. Dann trinken wir noch nen Kaffee zusammen, er zieht sich um und verschwindet zur Arbeit.
    Hier und da hat er zwischen diesen Monster-Schichten mal "kurze" Dienste. Da kommt er dann um 0.30 Uhr nach Hause oder fängt erst um 3.30 Uhr an. Da kann er dann wenigstens ein bisschen Schlaf nachholen.

    An Freizeit o.ä. ist natürlich überhaupt nicht mehr zu denken momentan. Ich bin schon froh, wenn er sich mal für einen Augenblick zu mir auf die Couch setzt.
    Kino, Essen gehen oder sowas können wir uns komplett sparen. Entweder kommt dann doch wieder was dazwischen oder er ist so kaputt, dass er dann auch keine Lust hat, noch wegzugehen.

    So ... Sorry Leute, dass es so viel geworden ist, aber ich musste mir das alles mal von der Seele schreiben.
    Ich weiß auch nicht, wo das noch alles hinführen soll.
    Geändert von Bibi (12.04.2019 um 06:48 Uhr)
    Liebe Grüße aus OWL
    Bibi




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